Einfach großartig!
Liederabend der Sopranistin Christiane Iven in der Stuttgarter Staatsoper
Stuttgart - Die Sängerin Christiane Iven kann beides: Oper und Lied. Das ist keine Selbstverständlichkeit, stellt es doch viele Opernsänger vor nicht unbedeutende Probleme, das in Sachen Lautstärke und Kraft sonst so geforderte Stimmorgan auf die intimen Verhältnisse eines klavierbegleiteten Liederabends einzustellen.
In ihrem Liederrecital am Montag in der gut besuchten Stuttgarter Staatsoper – einer Kooperationsveranstaltung mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie – zeigte Christiane Iven, was für eine formidable Verwandlungskünstlerin ihre Stimme ist, wie sicher und wohlgeformt sie auch bei ganz leisen Tönen anspricht und welche Bandbreite sie an Farben und Charaktereigenschaften bereitstellt. Wohldosiert gestaltete Iven die dynamischen Spannungsverläufe, ging sparsam mit den Extremen um. Nie war es zuviel oder zu wenig.
Die charismatische Sopranistin fesselt aber vor allem durch Gestaltung. Es macht einfach Spaß, ihr zuzuhören: Wenn sie in Robert Schumanns Zyklus "Frauenliebe und -leben" im Schnelldurchlauf kindlich-naive Liebe, Sehnsucht, Lust, überbordendes Mutterglück und Trauer um den Geliebten durchlebt – und das mit Haut und Haar –, um gleich im Anschluss daran in Schumanns späten Liedern auf "Gedichte der Königin Maria Stuart" durch erhabene, stolze Weltentrückung, aber auch durch archaische Tonfälle zu berühren: Das ist einfach großartig. Ebenso die mal träumerische, mal pointierte und immer plastische Darstellung der Mörike-Lieder von Hugo Wolf – in denen man auch ein kleines Elfelein schlaftrunken durch die Nacht tapsen hört.
Zusammen mit dem Mann am Klavier, Burkhard Kehring, der mit großem Einfühlungsvermögen und sensibler Artikulation die vielfältigen Stimmungen des Abends erdete, gerieten dann Olivier Messiaens "Lieder der Erde und des Himmels" zu einem impressionistischen Farbenrausch, in dem Ivens Stimme sich auch gelegentlich mal zur respekteinflößenden Naturgewalt aufschwang. Kein Wunder also, dass das Publikum am Ende seinen Liebling feierte und drei Zugaben erklatschte.
Rezension für die Stuttgarter Nachrichten vom 3.11.2010. Das Konzert fand statt am 1.11.
Stuttgart - Die Sängerin Christiane Iven kann beides: Oper und Lied. Das ist keine Selbstverständlichkeit, stellt es doch viele Opernsänger vor nicht unbedeutende Probleme, das in Sachen Lautstärke und Kraft sonst so geforderte Stimmorgan auf die intimen Verhältnisse eines klavierbegleiteten Liederabends einzustellen.
In ihrem Liederrecital am Montag in der gut besuchten Stuttgarter Staatsoper – einer Kooperationsveranstaltung mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie – zeigte Christiane Iven, was für eine formidable Verwandlungskünstlerin ihre Stimme ist, wie sicher und wohlgeformt sie auch bei ganz leisen Tönen anspricht und welche Bandbreite sie an Farben und Charaktereigenschaften bereitstellt. Wohldosiert gestaltete Iven die dynamischen Spannungsverläufe, ging sparsam mit den Extremen um. Nie war es zuviel oder zu wenig.
Die charismatische Sopranistin fesselt aber vor allem durch Gestaltung. Es macht einfach Spaß, ihr zuzuhören: Wenn sie in Robert Schumanns Zyklus "Frauenliebe und -leben" im Schnelldurchlauf kindlich-naive Liebe, Sehnsucht, Lust, überbordendes Mutterglück und Trauer um den Geliebten durchlebt – und das mit Haut und Haar –, um gleich im Anschluss daran in Schumanns späten Liedern auf "Gedichte der Königin Maria Stuart" durch erhabene, stolze Weltentrückung, aber auch durch archaische Tonfälle zu berühren: Das ist einfach großartig. Ebenso die mal träumerische, mal pointierte und immer plastische Darstellung der Mörike-Lieder von Hugo Wolf – in denen man auch ein kleines Elfelein schlaftrunken durch die Nacht tapsen hört.
Zusammen mit dem Mann am Klavier, Burkhard Kehring, der mit großem Einfühlungsvermögen und sensibler Artikulation die vielfältigen Stimmungen des Abends erdete, gerieten dann Olivier Messiaens "Lieder der Erde und des Himmels" zu einem impressionistischen Farbenrausch, in dem Ivens Stimme sich auch gelegentlich mal zur respekteinflößenden Naturgewalt aufschwang. Kein Wunder also, dass das Publikum am Ende seinen Liebling feierte und drei Zugaben erklatschte.
Rezension für die Stuttgarter Nachrichten vom 3.11.2010. Das Konzert fand statt am 1.11.
eduarda - 3. Nov, 12:52